Es gibt Städte, die man an ihrem Klang erkennt. Wien ist eine davon: Das tiefe Atemholen des Stephansdoms, das Murmeln der Ringstraße, das Flüstern der Höfe und Gassen, in denen Geschichte nicht verstaubt, sondern atmet. In diese Klangspur hat sich vor über drei Jahrhunderten eine eigene Stimme eingetragen – die der Erzdiözese Wien.
Die Erzdiözese Wien ist mehr als eine Verwaltungseinheit: ein Erzählraum aus Steinen, Stimmen, Sprachen und Gesichtern. Die Erzdiözese spannt ihr Gebiet von den großstädtischen Bezirken bis hinaus in die stilleren Landschaften des Wienerwaldes, zu den Weingärten im Norden und bis in die Ostalpen im Süden. Drei Vikariate – Stadt, Nord, Süd – sind die tragenden Bögen dieser Brücke. Zwischen U‑Bahn und Feldweg, Kaffeehaus und Kellergasse, Konzertsaal und der kleinen Kapelle am Feld entfaltet sich eine Kirche, die beides kennt: das Tempo der Metropole und den langen Atem des Landes.
Wien ist ein Mosaik
Über 30 anderssprachige Gemeinden bringen jeden Sonntag ihre Farben ein – Kroatisch, Ungarisch, Spanisch, Philippinisch und viele mehr.
Dazu rund 20 Seelsorgestellen der katholischen Ostkirchen: byzantinischer Ritus, maronitisch, syrisch, syro‑malabarisch, syro‑malankarisch, chaldäisch. Seit 200 Jahren ist die byzantinisch-katholissche Tradition an der Kirche St. Barbara zuhause – fest verankert im geistlichen Leben der Stadt, auch wenn die katholischen ostkirchen österreichweit rechtlich ein eigenes Ordinariat bilden. Wer an einem Festtag in St. Barbara die Stimmen und Melodien hört, spürt: Katholischsein heißt hier nicht Einheitlichkeit, sondern Einheit in Vielstimmigkeit. Diese Vielstimmigkeit ist nicht nur geerbte Tradition, sie wird neu gefunden. Immer mehr Erwachsene lassen sich taufen – Menschen, die nicht zufällig hineingeboren, sondern bewusst hineingewählt haben; die nach Sinn und Zugehörigkeit fragen und darin eine Antwort finden.
Neben alten Pfarrgemeinden wachsen dynamische Gemeinschaften: internationale Gruppen, Citypastoral, neue geistliche Bewegungen, Initiativen junger Menschen, die Liturgie, Dienst und Alltag eng verweben. Sie prägen eine Spiritualität, die nicht aus dem Museum kommt, sondern aus Begegnungen: am Rand, am Markt, am Mittagstisch, und selbst in U-Bahn, einem Ort, wo dem Vernehmen nach viele Menschen - jeder auf seine Weis natürlich - beten.